Lighthouse: Muss eine Website wirklich 100% erreichen?

Bei der Optimierung der "Core Web Vitals" kommt häufig das Google-Tool "Lighthouse" zum Einsatz. Doch ist es wirklich wichtig, in jeder Disziplin 100% zu erreichen? Oder kann man sich auch mit weniger zufrieden geben? Auf die Frage gehe ich im heutigen Post ein.

Wie gut die eigene Website hinsichtlich der Core Web Vitals (und weiterer Aspekte) abschneidet, kann man mit dem Tool Lighthouse analysieren. Dieses ist im Chrome-Browser (übrigens auch bei Microsofts neuem Browser Edge, der auf derselben Render-Engine basiert) implementiert, kann aber auch online genutzt werden (wenn auch mit weniger Optionen).

Website mit Lighthouse analysieren

Lighthouse misst derzeit folgende Kriterien:

  • Performance
  • Accessibility,
  • Best Practises und
  • SEO (also Search Engine Optimization)

Bei progressiven Web-Apps gibt es noch einen zusätzlichen Punkt (progressive Web App), doch der ist für meinen Fall nicht relevant, daher habe ich ihn für meine Tests ganz deaktiviert.

Übrigens: Die Werte in Lighthouse sind nicht identisch mit den Core Web Vitals - sie gehen teilweise darüber hinaus.

Core Web Vitals: Viele Seiten haben unterirdische Werte

Falls Sie sich einmal mit dem Thema beschäftigt haben, wird Ihnen sicherlich aufgefallen sein, dass die meisten Websites keine 100% erreichen. Viele haben vielleicht 70 oder 80%. Manch eine große Nachrichtenseite dümpelt sogar im "tiefroten" Bereich um 25% herum.

Sogar Google.de hatte hinsichtlich der Core Web Vitals laut meinem Test noch Luft nach oben.

Und das ist auf den ersten Blick überraschend, denn sollte nicht gerade Google die eigenen Erkenntnisse nutzen?

Es gibt viele schlechte Gründe, die Core Web Vitals schleifen zu lassen - aber auch ein paar gute!

Ich vermute, dass sich viele Verantwortliche bei sehr bekannten News-Seiten einfach denken: "Die Nutzer kommen doch sowieso. Ob das jetzt 2 oder 3 Sekunden lädt, ist uns egal". Und wahrscheinlich haben sie in vielen Fällen recht.

Vielleicht geben sie sich mit ihrer bisherigen Reichweite auch einfach zufrieden und kümmern sich nicht so sehr um Nutzer mit alten Geräten und schlechten Internetverbindungen.

Die Gefahr ist allerdings, dass sich schlechte Werte bei den Core Web Vitals langfristig auf die Rankings in Suchmaschinen auswirken. Und dann gehen die Besucherzahlen womöglich doch zurück.

Faulheit oder Ignoranz werden aber nicht die einzige Erklärung sein!

Mein Agentur-Projekt wurde auf 100% optimiert (auch wenn sich der Wert sicherlich verändern wird).

Schlechte Werte in Lighthouse - aus guten Gründen

Viele Websites sind responsive programmiert, passen sich also auf die jeweilige Bildschirmbreite an. Das entspricht der Best Practis, ist aber meistens auch mit einem mehr oder weniger großen Overhead verbunden (z. B. die CSS-Definitionen für nicht genutzte Breakpoints).

Manche Websites werden nur in der angeforderten Größe zurück geliefert. Und wenn sich die Bildschirmgröße ändert (was ja in der Praxis selten vorkommt), müssen die Nutzer eben neu laden (oder haben Pech gehabt).

Eine solche Seite kann für die Praxis top-optimiert sein und dennoch in Lighthouse schlechtere Werte bekommen. Man muss also - wie immer - ein bisschen differenzieren und die fürs Unternehmen am besten passende Lösung finden.

Gleichwohl: In den meisten Fällen rühren schlechte Werte bei den Core Web Vitals sicherlich daher, dass dem Thema zu wenig Augenmerk gewidmet wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen:
Auch wenn die Core Web Vitals auch in Zukunft nicht das einzige Ranking-Signal sein werden, könnte es im Zweifelsfall dann eben doch auch darauf ankommen - und mit darüber entscheiden, wie gut eine Seite im Internet gefunden wird.

100%-Werte in Lighthouse bedürfen schon einiger Anstrengungen und man muss dafür schon tief ins System eingreifen. Doch in den meisten Fällen dürfte bereits ein Wert um 80 oder 90 Prozent als positives Ranking-Signal dienen.